
Worum geht’s?
Eckdaten des Films:
Spielfilm von Nic Balthazar nach dem Roman „Niets was alles wat hij zei“
Länge: 90 Minuten
Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2007, Belgien/Niederlande
Bonusmaterial:
„Cocoon Child“ aus dem Berlinale-Generation Kplus Wettbewerbsprogramm 2009
NDR- Reportage über Computerspielesucht „Spielen, spielen, spielen…“
Produktion:
Burny Bos, Peter Bouckaert, Erwin Provoost, Michiel de Rooij, Sabine Veenendaal
empfohlen ab 14 Jahren, FSK 12
Schuljahre: Sekundarstufe I, Sekundarstufe II
Ben ist ein Außenseiter. Jeden Tag taucht der hochintelligente Teenager in die Welt des Onlinespiels „Archlord“ ab, wo er als „Kämpfer“ anerkannt und für seine Taten bewundert wird. Mit seiner Internetgefährtin der „Magierin“ Scarlite meistert er mühelos alle Herausforderungen. In der Realität gelingt ihm das nicht; jeder Tag in der Schule bedeutet für den verschlossenen Jungen die Hölle. Immer wieder wird er von Mitschülern gequält und erniedrigt. Als er einen Plan fasst, um mit allem Schluss zu machen, stellt sich heraus, dass Scarlite nicht nur im Netz auf seiner Seite steht …(kfw)
Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?
- Games und Spielewelten
- Online- und Computerspielesucht
- Exzessive Mediennutzung
- Flucht in künstliche Welten (Virtualität)
- Medialitätsbewusstsein
- Mobbing/ Cybermobbing
- BystanderInnen von (Cyber-)Mobbing
- Online-Bekanntschaften
- Darstellung von Behinderung / Autismus im Film
- Mediale Darstellung von Jugendsuizidalität
Zum Einsatz mit Schüler:innen in der außerschulischen Jugendarbeit
Computer- und Onlinespiele sind ein fester Bestandteil im Alltag von vielen Kindern und Jugendlichen. Sie haben in vielen Spielen die Möglichkeit, ihren eigenen Avatar zu erstellen und die Spielgeschichte eigenverantwortlich zu gestalten. Durch Kommunikationsfunktionen im Spiel wie Team-Speak und Chats können sie in Austausch mit Gleichgesinnten treten und online Freunde finden. Durch die phantastischen Welten und scheinbar unendlichen Möglichkeiten im Spiel verschwimmt für manche dabei die Grenze zwischen Wirklichkeit und Virtualität.
Der Film bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die medienpädagogische Arbeit.
Zum einen bietet sich eine gemeinsame Reflexion über das Ende des Films, also Bens „Endgame“, an, in der alle miteinander erörtern, welche Gründe für das Handeln der Familie bestehen. Dabei können die Schwerpunkte auf Cybermobbing/ Mobbing, Suizidalität oder auf Behinderung/ Krankheiten sowie auf Mediennutzung, die Bedeutung von Games und die Gefahr der Computerspielesucht gelegt werden. Diese Ausgangspunkte können Medienpädagog:innen nutzen, um mit Kindern und Jugendlichen über die Erfahrungen, die sie zu den jeweiligen Themen gesammelt haben, ins Gespräch zu kommen. Im Fall von Games ist klar zwischen missbräuchlichem/ problematischen und süchtigem/ pathologischem (krankhaften) Konsum zu unterscheiden. Durch Zeitbegrenzungen, wechselnde Aktivitäten und soziale Eingebundenheit, was alles im Film auch thematisiert wird, kann bereits einer Gefährdung vorgebeugt werden.
Gerade im Klassenverband kann auch diskutiert werden, wie Schüler:innen sich in der Klasse gegen (Cyber-)Mobbing einsetzen können und wollen, indem bspw. ein Vertrag der Klasse gegen Mobbing abgeschlossen wird. Hier ist auch besonders das Problem von Bystander:innen von Mobbing anzusprechen. Wie verhalten sich die Jugendlichen in Situationen, in denen Mitschüler:innen gemobbt werden? Sind sie bloße Zuschauer:innen oder zeigen sie Zivilcourage und helfen dem Opfer? Ebenfalls könnte das eigene Verhalten der Schüler:innen im Netz reflektiert werden: Wie gestalte ich meinen Alltag im Netz? Mit wem tausche ich mich im Internet aus? Zeige ich mich im Netz anders als im realen Leben?
Zum Einsatz mit Lehrer:innen und Pädagog:innen
Auch hier kann man aus den im Film angebotenen Themen, je nach Aktualität und Klärungsbedarf in der Klasse, auswählen und einen entsprechenden Schwerpunkt setzen. Allerdings kann es aufgrund der Spielfilm-Länge im schulischen Kontext schwierig werden, die gesamte Vorführung und Nachbereitung des Films BenX unterzubringen. Eine entsprechende Vorauswahl der Szenen ist daher eine gute Alternative.
Zum Einsatz mit Eltern
In der Arbeit mit Elternteilen können die verschiedenen Szenen, in denen das Verhalten von Bens Mutter dargestellt wird, analysiert werden und anschließend als Diskussionsgrundlage dienen. Dabei kann auch erörtert werden, wie Eltern an Themen wie Onlinespiele, Netzfreundschaften oder Cybermobbing mit ihren Kindern herangehen und wie die Kinder zu einer guten Nutzung des Computers/ des Internets angeleitet werden können.
Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit
- Interviews zu Erfahrungen im Bereich Cybermobbing, Suizidalität oder Mediennutzung/ Onlinesucht mit den Kindern und Jugendlichen in Form von Fragebögen oder kleinen Filmen erstellen; diese können dann ggf. an einem Projekttag den Eltern und Mitschülern vorgestellt werden
- Collagen zu angesprochenen Themen mit Bildern aus dem Internet gestalten
- Erstellen eines Flyers zum Thema Cybermobbing in der Schule mit Anlaufstellen für Hilfesuchende; die Flyer können dann in der Schule ausgelegt oder verteilt werden
- Planung eines LAN-Abends (für Geschwister/Eltern/LehrerInnen), um sich besser in die Welt der Spieler/innen hineinzuversetzen; Material und Kontakte dazu gibt es z.B. bei Games in der Familie bei der Bundeszentrale für politische Bildung, die solche Abende auch anbieten. Zu den Risiken und Gefahren findet sich bei den bekannten Portalen Informationsmaterialien, z.B. bei klicksafe.de oder auch bei handysektor.de.
Für wen?
Lehrer:innen, Eltern und Jugendliche ab 14 Jahren
Bezugsmöglichkeiten
Der Film ist als DVD mit Vorführrecht in einigen katholischen und evangelischen Medienzentralen und Kreismedienzentren ausleihbar und unter www.medienzentralen.de (für einige Diözesen und Landeskirchen) online abrufbar.
Anmerkung zur Aktualität von Film und Spiel
Der Film „BenX“ wurde im Jahr 2007 produziert und das darin vorgestellte Massively Multiplayer Online Role Playing Game „Archlord“ existiert seit 2014 nicht mehr. Das im Film dargestellte Grafikdesign sowie Spielermodus bzw. Spielzugangsweise sind daher nicht mehr Zeitgemäß. Die Einbettung des Spielens in den Alltag von Kindern und Jugendlichen und die Identifikation mit einer virtuellen Welt haben aber nicht an Aktualität verloren. Sicherlich ist es bei der Besprechung des Films bzw. seiner Themen hilfreich, auf vergleichbare Spiele und Spielewelten hinzuweisen bzw. diese im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern miteinzubeziehen.
Fazit
Dem Film gelingt es, das komplexe Autismus-Spektrum spür- und begreifbar zu machen. Er zeigt auf, was außerfamiliär und oft hintergründig in Institutionen wie Schule geschieht (Mobbing, Ausgrenzung, Stigmatisierung und Gewalt).
Gleichzeitig gibt er einen umfangreichen Einblick in die Welt eines Jugendlichen mit exzessiver Mediennutzung und veranschaulicht seine Empfindungen und Sichtweisen. Das Thema „Gaming“ wird sowohl in seinen gefährdenden als auch in den faszinierenden Aspekten thematisiert. Dadurch bietet er eine gute Grundlage als Einstieg zu den Themen Mediennutzung und Cybermobbing sowie zur Diskussion mit Jugendlichen und Eltern.
Dieser Filmtipp ist die nur leicht überarbeitete und ergänzte Fassung des am 14. Dezember 2017 erschienenen Filmtipps „BenX“ von Maximilian Klein, Clearingstelle Medienkompetenz.
