
Einfluss von Algorithmen und KI auf menschliche Kommunikation
„Verantwortung, Zusammenarbeit und Bildung“ – mit diesen Leitworten begegnet Papst Leo XIV. am Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz. Der 24. Januar 2026 steht damit ganz im Zeichen einer Auseinandersetzung mit ihrer wachsenden Präsenz und Wirkung auf Kommunikationsprozesse und damit auf unsere Kommunikationskultur.
Dass sich der Papst mit diesem Thema befasst, ist weder Zufall noch überraschend. Bereits zu Beginn seines Pontifikats im Mai 2025 hat Leo XIV. den gesellschaftlichen Auswirkungen der Nutzung Künstlicher Intelligenz eine zentrale Bedeutung beigemessen. Seither greift er wiederholt deren ethische, kulturelle und bildungspolitische Dimensionen auf.
Im Umgang mit ihr sieht er eine Aufgabe von ähnlicher Größenordnung und Bedeutung wie jene, mit der sich die Kirche in der Zeit der Umbrüche durch die Industriellen Revolutionen auseinandersetzen musste. Er wählte bewusst den Namen Leo in Anknüpfung an Papst Leo XIII., der in deren Folge die Soziallehre im Zeichen der sozialen Frage neu ausrichtete. („Rerum Novarum: 134 Jahre und aktueller denn je„)
Das Menschliche in den Mittelpunkt stellen
Hierbei widmet er sich dem Thema ausdrücklich nicht aus technikfeindlicher Perspektive, sondern es geht ihm um eine grundlegende anthropologische Diskussion: Die Herausforderung liegt nicht primär darin, was Maschinen leisten können, sondern was Menschen durch ihr Verhalten und ihren Umgang mit diesen Technologien über sich selbst aussagen und wie ihre Fähigkeiten zu denken, zu fühlen und zu kommunizieren dabei wachsen oder verkümmern.
Unter dem Motto „Menschliche Stimmen und Gesichter bewahren“ ruft der Papst dazu auf, gerade angesichts des wachsenden Einflusses von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz die Würde des menschlichen Kommunizierens bewusst in den Mittelpunkt zu stellen. Kommunikation soll Ausdruck von Mensch-Sein, Beziehung und Verantwortung bleiben, kritisches Denken und kreative Freiheit gilt es dabei zu bewahren.
Bedeutung der Bildung für Medien- und KI-Kompetenz
Er warnt vor ihrem Verlust und unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Bildungsarbeit für Medien-, Informations- und KI-Kompetenz. Diese Kompetenzen sollen Menschen dazu befähigen, algorithmische Systeme zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und bewusst zu nutzen, statt unreflektiert von ihnen gesteuert zu werden. Sie ist somit unverzichtbar, damit Menschen selbstbestimmt, urteilsfähig und schöpferisch in digitalen Räumen handeln können. Kirchliche und gesellschaftliche Medienbildung soll insbesondere jungen Menschen dienen, aber auch die Teilhabe weiterer Gruppen ermöglichen.
KI-Oligopole kontrollieren
Er fordert, dass Entwickler:innen, pädagogische Fachkräfte und politische Akteur:innen gemeinsam Verantwortung übernehmen und Rahmenbedingungen schaffen, in denen Technologie dem Gemeinwohl dient. Sie dürfe nicht in den Händen weniger Akteure ausschließlich der Gewinnmaximierung unterworfen sein, die Nutzende zu Konsumierenden macht und zu einer Verarmung menschlicher Ausdruckfähigkeit führt. Gegenstrategien, die er fordert, finden sich durchaus in der Verordnung über künstliche Intelligenz der EU wieder.
Aufgabe der Medienpädagogik ist es, Lernräume zu gestalten, in denen sie Menschen befähigt, Algorithmen und KI-Systeme zu verstehen, bewusst zu nutzen und im Kontext menschlicher Werte einzuordnen. Und gleichzeitig sollen sie darin bestärkt werden, echte menschliche Stimmen, ihre eigenen und die der anderen in einer digitalen Welt hörbar zu machen.
