
Worum geht’s?
Eckdaten des Films:
Ein Film von Cédric Prévost
Länge: 14 Minuten
Frankreich 2023
Produktion: La Féline
Pädagogische Empfehlung: ab 14 Jahren
Schuljahre: Sek I ab Klasse 9, Sek II
Der französische Kurzspielfilm MONOCHROME erzählt von Thomas und Marie, die sich über eine Online-Dating-Plattform kennenlernen und über Monate hinweg per Videochat kommunizieren. Die Beziehung wirkt vertraut und emotional, obwohl sich die beiden nie persönlich begegnet sind. Als Thomas schließlich ein reales Treffen vorschlägt, offenbart Marie ein Geheimnis: Die weiße Frau, die er zu sehen glaubt, ist ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiertes Deep Fake – Marie ist in Wirklichkeit eine schwarze Frau. Was als intime digitale Annäherung beginnt, entwickelt sich zu einer eskalierenden Konfrontation geprägt von Rassismus, Hass und ideologischer Verblendung. Der Film zeigt, wie schnell digitale Nähe kippen kann, wenn unausgesprochene Vorannahmen sichtbar werden, und wie tief menschenverachtende Einstellungen in digitalen wie analogen Räumen verankert sein können. Das offene Ende lässt bewusst Raum für Irritation und eigene Positionierung.
Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?
- Digitale Identität und Selbstdarstellung
- KI und Deep Fakes
- Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Netz
- Hass, Hetze und Verantwortung
- Ethik digitaler Täuschung
- Demokratie-, Werte- und Menschenrechtsbildung
Digitale Identität, Inszenierung und der Umgang mit Hass
Marie nutzt für ihre Kontaktaufnahme mit rechtsextremistischen Männern eine Dating-Plattform, die bevorzugt von ideologisch entsprechend ausgerichteten Personen genutzt wird. Zunächst wie eine Online-Romanze inszeniert, kippt die Situation nach ihrer Offenbarung als schwarze Frau abrupt in eine radikale Konfrontation mit Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und digitaler Manipulation. Auch nach dieser Erfahrung sucht Marie weitere Kontakte und bedient sich erneut eines weißen, KI-generierten Erscheinungsbildes. Ihre Strategie zielt darauf ab, menschenverachtende Einstellungen im Moment vermeintlicher Nähe offenzulegen und das Gegenüber zu irritieren – in der Hoffnung, Denkprozesse anzustoßen. Ob diese Form der digitalen Konfrontation tatsächlich Reflexion ermöglicht, lässt der Film bewusst offen.
Ein Film, der zahlreiche Fragen stellt
Der Kurzspielfilm zeigt, wie brüchig digitale Nähe ist und wie schnell sich vermeintliche Intimität in Aggression und Hass verwandeln kann. Er macht dabei sichtbar, welche Rolle digitale Medien bei der Entstehung, Verstärkung und Normalisierung menschenverachtender Ideologien spielen können. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf die dahinterliegenden Einstellungen, Deutungsmuster und ideologischen Prägungen der Figuren. Zudem beschäftigt sich MONOCHROME mit den Themen Täuschung, Identität und dem Umgang mit Hass. Nicht nur Maries Vorgehensweise wirft dabei ethische Fragen auf: Kann man Hass mit Liebe begegnen? Ist Manipulation und Täuschung in diesem Kontext gerechtfertigt? Es stellen sich zahlreiche weitere Fragen: Wie inszenieren sich Menschen grundsätzlich in digitalen Räumen? Welche Aspekte von Identität werden sichtbar – und welche bleiben verborgen?
Vor dem Hintergrund von KI-generierten Bildern und Deep Fakes bietet der Kurzfilm einen niedrigschwelligen, zugleich hochaktuellen Einstieg in die Auseinandersetzung mit Desinformation und Bildmanipulation. Wie sieht es aus mit der individuellen Einstellung zu Wahrheit, Vertrauen und Manipulation? Wie kann umgegangen werden mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Netz, mit Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus oder Frauenverachtung und mit Hass und Hetze gegenüber diesen Gruppen? Wo beginnt persönliche Verantwortung und wann und wie kann ich selbst aktiv werden?
Identität im digitalen Zeitalter
Marie nutzt für ihre Ziele mehrere digitale Identitäten. Diese strategische Entscheidung der Protagonistin, die eine Grundlage für die filmische Erzählung darstellt, verdeutlicht ebenfalls, dass Identität grundsätzlich kein statisches Merkmal, sondern immer auch kontextabhängig, situativ und medial vermittelt ist und möglicherweise das Ergebnis eines individuellen Beschlusses und damit nur eine Option. Für Jugendliche wie Erwachsene bleibt gleichermaßen relevant: Wer bin ich online und warum? Ist digitale Identität unechter oder lediglich anders organisiert? Welche Freiheiten, aber auch welche Risiken entstehen durch multiple digitale Selbstbilder? Damit knüpft MONOCHROME unmittelbar an zentrale Ziele der Medienbildung an: die Reflexion von Selbstwahrnehmung und Rollenbildern, aber auch von Möglichkeiten der Manipulation und Desinformation.
Hass, Ideologie und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
In der Person des Thomas sind verschiedene Formen der Menschenverachtung filmisch verdichtet. Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und Frauenfeindlichkeit erscheinen nicht isoliert, sondern als miteinander verwobene ideologische Struktur. Seine Reaktionen verdeutlichen, wie tief solche Weltbilder verankert sein und wie schnell sie in offenen Hass umschlagen können. Der Film bietet, gestützt durch die zugehörigen Arbeitsmaterialien, eine fundierte Grundlage, um menschenverachtende Narrative zu erkennen, ideologische Muster zu analysieren und Handlungsstrategien im Umgang mit Hass und Hetze zu entwickeln und das online wie offline. Zugleich vermittelt MONOCHROME eine zentrale pädagogische Botschaft: Hass ist nicht angeboren, sondern erlernt – und damit grundsätzlich auch verlernbar.
Medien-, Demokratie- und Menschenrechtsbildung
MONOCHROME eignet sich in besonderem Maße für die medienpädagogische Praxis, da der Film zentrale Herausforderungen der digitalen Gesellschaft verdichtet, emotional zugänglich und zugleich analytisch erfahrbar macht. In der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemlagen und Fragestellungen verbindet er Medienbildung mit Demokratie- und Menschenrechtsbildung. Er zeigt sowohl individuelle als auch strukturelle Dimensionen von Rassismus und Menschenfeindlichkeit und macht deren emotionale wie ideologische Wirkmechanismen sichtbar. Die Darstellung von Hate Speech lädt dazu ein, eigene Haltungen zu überprüfen und Strategien gegen Menschenverachtung zu entwickeln. Dies geschieht nicht technikzentriert, sondern konsequent aus einer gesellschaftlichen und ethischen Perspektive.
Zum Einsatz in der (außer-)schulischen Medienarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Für die (außer-)schulische Medienarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen bietet MONOCHROME einen gut anschlussfähigen Zugang zu aktuellen Fragen digitaler Kommunikation. Der Kurzfilm eignet sich ab der Sekundarstufe I insbesondere, um mit Jugendlichen über Online-Identitäten, Inszenierung und Vertrauen in digitalen Räumen ins Gespräch zu kommen. Zugleich ermöglicht er eine reflektierte Auseinandersetzung mit Rassismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, ohne diese zu vereinfachen oder zu moralisieren. Eigene Handlungsspielräume und Verantwortlichkeiten können ausgelotet werden. Aufgrund der emotionalen Zuspitzung und der dargestellten verbalen Gewalt empfiehlt sich eine pädagogisch begleitete Sichtung in einem klar benannten Schutzraum, der Raum für Irritation, Unsicherheit und unterschiedliche Perspektiven lässt. Der offene Ausgang des Films lädt dazu ein, gemeinsam über Grenzen, Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten im digitalen Raum zu diskutieren. Eigene Betroffenheit, familiäre Erfahrungen mit Rassismus oder Verschwörungserzählungen erfordern Zeit, Sensibilität und gegebenenfalls die Einbindung externer Beratungsangebote.
Zum Einsatz mit Erwachsenen und Senior:innen
Auch in der Erwachsenenbildung kann der Kurzfilm einen wirkungsvollen Gesprächsanlass darstellen, der eine Auseinandersetzung mit aktuellen technischen, aber auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen anstößt. Er lädt ein zur Diskussion über digitale Identität, mediale Inszenierung und technische Manipulation, insbesondere im Kontext von Online-Dating, Social Media und KI-gestützten Bildwelten. Durch die vertiefte Auseinandersetzung mit gewohnheitsmäßigen Zuschreibungen, verfestigten Vorurteilen und ideologischen Denkmustern sowie der Frage, wie Menschenverachtung in digitalen Kommunikationssituationen sichtbar wird, kann er zu Medien- und Demokratiebildung beitragen. Auch die Themen der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung sowie der Möglichkeiten und Grenzen persönlichen Engagements eignen sich als Ansatzpunkte für ein Gespräch. Bei der gemeinsamen Filmanalyse in Erwachsenen- oder Seniorengruppen können biografische Erfahrungen, generationsspezifische Mediennutzung und gesellschaftliche Veränderungen reflektiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit
Neben dem Film bieten auch die zugehörigen Lehrmaterialien im schulischen wie außerschulischen Kontext Anknüpfungspunkte für die aktive Medienarbeit. Es lassen sich folgende praxisnahe Zugänge nutzen:
- Analyse und Gestaltung digitaler Profile
Die Auseinandersetzung mit Maries verschiedenen Online-Identitäten bietet Ansätze für eine Analyse und bewusste Gestaltung von Profilen, Avataren oder Selbstdarstellungen. Mittels kreativer Aufgaben können Teilnehmende fiktive Profile entwerfen und reflektieren, welche Informationen sichtbar gemacht, verborgen oder inszeniert werden – und warum.
- Arbeit mit Bildmanipulation und KI
Anhand der im Film thematisierten Deep-Fake-Technologien können Bild- und Videomanipulationen praktisch erprobt und kritisch hinterfragt werden. Die Arbeitsmaterialien regen dazu an, manipulierte Bilder zu erkennen, selbst einfache Veränderungen vorzunehmen und deren Wirkung zu diskutieren.
- Szenisches Arbeiten und Perspektivwechsel
Durch Rollenspiele, Standbilder oder das Umschreiben einzelner Dialoge können zentrale Filmszenen neu interpretiert werden. Diese Methoden fördern Empathie, Perspektivwechsel und die Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen und Grenzüberschreitungen in digitaler Kommunikation.
- Entwicklung von Gegenstrategien zu Hass im Netz
Aufbauend auf den im Film sichtbaren Formen von Hate Speech lassen sich eigene Reaktionsstrategien entwickeln – etwa in Form von Leitfäden, kurzen Videoclips oder Social-Media-Posts, die für respektvolle Kommunikation und Zivilcourage im Netz sensibilisieren.
- Reflexion von Ethik und Verantwortung
Kreative Schreibaufgaben, Podcasts oder Diskussionsformate greifen die moralischen Dilemmata des Films auf: Ist Täuschung legitim? Wo liegen Grenzen digitaler Intervention? Die Teilnehmenden entwickeln eigene Positionen und setzen diese medial um. Diese Anknüpfungspunkte verbinden Analyse, kreative Gestaltung und Reflexion und stärken zentrale medienpädagogische Kompetenzen wie Urteils- und Kritikfähigkeit sowie verantwortungsvolles Handeln in digitalen Räumen.
Weiterführende Materialien
Weitere Materialien zum Thema Hate Speech, Rassismus, Demokratiebildung oder Identität finden sich auf mekomat.de. Zudem gibt es weitere Filmtipps, die sich mit Themen wie Rassismus, KI oder Desinformationen bzw. Fake News auseinandersetzen.
Für wen?
Jugendliche ab 14 Jahren, schulische und außerschulische Bildungsarbeit, Erwachsene, Senior:innen
Bezugsmöglichkeiten
Der Film ist bei verschiedenen Medienzentralen für den Einsatz in der Bildungsarbeit zusammen mit den Lehrmaterialien digital verfügbar im Medienportal.
Die DVD mit Vorführrechten oder eine digitale Version des Films kann beim Katholischen Filmwerk GmbH bezogen werden.
Fazit
Der offene Schluss des Films lädt die Zuschauenden ein zu einer Auseinandersetzung mit den aktuellen technischen Möglichkeiten, gesellschaftlichen Einstellungen und letztlich der eigenen Positionierung und dem eigenen Handlungsspielraum. Das macht ihn zu einem ergiebigen Impulsfilm für die medienpädagogische Arbeit.Er zeigt, dass digitale Technologien gesellschaftliche Konflikte nicht erzeugen, sie jedoch beschleunigen und verstärken können und weitere Austragungsorte der Auseinandersetzung ermöglichen. Ihre Chancen und Risiken sowie die Potentiale digitaler Teilhabe und Engagements zu erkennen, ist ebenso grundlegend, wie Urteils- und Empathiefähigkeit in Zeiten von KI, Hassrede und digitaler Radikalisierung. MONOCHROME eröffnet einen Diskussionsraum und unterstützt damit den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.
