Künstliche Intelligenz – Die Menschlichkeit muss im Mittelpunkt bleiben

Künstliche Intelligenz – Die Menschlichkeit muss im Mittelpunkt bleiben

Künstliche Intelligenz – Die Menschlichkeit muss im Mittelpunkt bleiben
Foto: cottonbro studios – Pexels (CC0)

Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) dem Menschen und dem Gemeinwohl dienen? Bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda stand die Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. an zentraler Stelle.

Es ging um Strukturen, Erwachsenentaufe, Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, demokratisches Gemeinwohl und synodale Fragen, auch um kirchliche Öffentlichkeitsarbeit via Social Media. Im Zentrum der Beratungen standen jedoch die Impulse für Kirche und Gesellschaft, die das erste Lehrschreiben des Papstes Leo XIV. geben kann. Einen ganzen Studientag widmeten die Bischöfe der im Mai veröffentlichten Sozialenzyklika mit dem Untertitel „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“.

Weltweites Echo der Enzyklika

Die Enzyklika hat innerhalb, aber vor allem auch außerhalb der Kirche große Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren für ihren umfassenden Blick auf die Technologie, auf deren Chancen und Risiken. (Wir berichteten: Zwischen Babel und gemeinschaftlichem Aufbau – Die Enzyklika des Papstes Leo XIV. – Medienkompetenz Connect). Dies würdigte Bischof Dr. Heiner Wilmer im Pressebericht der Konferenz.

So befassten sich auch die 59 Teilnehmer am Studientag intensiv mit den Impulsen und Botschaften der Enzyklika und ihrer Bedeutung für die tägliche Arbeit in kirchlichen Gremien, Einrichtungen und Organisationen. Dabei verstand sich der Studientag ausdrücklich als ein erster Auftakt dieser Auseinandersetzung.

Es geht um das Selbstverständnis des Menschen und die Bewahrung der Menschlichkeit

Weder Technikangst noch Fortschrittsglaube sind der richtige Weg. KI bietet unzählige Möglichkeiten, die dem Menschen zugutekommen können. Beispiele hierfür sind ihr Einsatz in der medizinischen Forschung und Praxis, Erleichterungen in der Arbeitswelt oder Innovationen und individuelle Lösungen in der Bildungsarbeit.

Die Auswirkungen, die das Leben in einer digitalen Gesellschaft unter dem Einfluss von KI für das menschliche Miteinander und Selbstverständnis haben, sind jedoch immens. Daraus ergeben sich wesentliche Forderungen: Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben.

KI ist ein Werkzeug, KI ist nicht neutral

Der Mensch nutzt KI als hilfreiches Werkzeug. Er muss sich dabei jedoch stets bewusst sein, dass die Technologie keineswegs neutral ist. In den Tools stecken die Interessen weniger Tech-Unternehmen und damit wirtschaftliche Macht, politische Einflussnahme sowie die Vorurteile und Ziele derjenigen, die sie entwickeln, trainieren, finanzieren und einsetzen.

Algorithmen können Einfluss darauf nehmen, wie Informationen wahrgenommen werden und welche Inhalte Aufmerksamkeit erhalten. Sie können Entscheidungen in Bereichen wie Arbeit, Bildung, medizinischer Versorgung, Kreditvergaben und menschlicher Teilhabe beeinflussen. Die Frage nach der Bedeutung von KI ist deshalb auch immer eine Frage nach Macht, Teilhabe und demokratischer Kontrolle. Die Gefahr für demokratische Prozesse kann als nicht gering geachtet werden und ist bereits jetzt mit Blick auf Deepfakes, Desinformation oder gezielte Beeinflussung durch Algorithmen unübersehbar.

Verantwortung darf nicht abgegeben werden

Daraus folgt die Forderung, dass Menschen die Verantwortung nicht an Maschinen abgeben dürfen. Entscheidungen müssen nachvollzogen, angefochten oder korrigiert werden, unbequeme Fragen müssen gestellt werden können: Wer profitiert, wer trägt die Risiken, wer bestimmt die Regeln?

Ganz eindeutig positioniert sich die Bischofskonferenz hier für eine klare Regulierung und Begrenzung im Umgang mit der Technologie. Entscheidungen über den Umgang dürfen von den Menschen nicht aus der Hand gegeben werden.

Der Schlüssel bleibt die Förderung der Medien- und KI-Kompetenz

Es bleibt dabei: Medien- und KI-Kompetenz sind unerlässlich für die Bewältigung der gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen, die KI für Arbeitsmärkte, menschlichen Zusammenhalt und kirchliches Leben bedeutet. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Technologie ist nur möglich, wenn dieses Handeln auf Wissen und Befähigung basiert.

Die Referent:innen und Teilnehmenden des Studientags waren sich einig, dass der Kirche hier ein wichtiger Auftrag zukommt. Ganz zentral ist die Aufgabe, für eine Medien- und KI-Bildung zu sorgen, die alle Menschen stärkt und befähigt, Verantwortung zu übernehmen und verantwortlich zu handeln.

Das Öffnen von Räumen für die gesellschaftliche und innerkirchliche Auseinandersetzung mit allen Facetten der Technologie, deren menschendienlicher Nutzung und ethischer Einordnung ist eine weitere Verpflichtung. Darüber hinaus soll eine aktive Teilnahme am politischen Diskurs stattfinden und dies unter Beachtung der Besonderheiten des Menschen. Kirchliche Akteure sollen sich stets kritisch einmischen und für ethisch getragene Absprachen und Regulierungen über Grenzen hinweg einsetzen. Diese Aufgaben werden in den Kommissionen weiterverfolgt, die Ergebnisse sollen in die gesellschaftliche Auseinandersetzung getragen werden.

Künstliche Intelligenz – Die Menschlichkeit muss im Mittelpunkt bleiben
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Kommission VI – Medien als strategische Aufgabe

Auf der Herbstversammlung beschlossen die Bischöfe auch die Umgestaltung der Kommissionen. Sie wurden von 14 auf acht reduziert. Der Kommission VI, umbenannt in Medien, kommt in diesem Kontext eine zentrale Rolle zu. Die Stärkung der kirchlichen und gesellschaftlichen Medienkompetenz ist ihre grundlegende Aufgabe.

„Sie unterstützt auf übergeordneter, strategisch-beratender Ebene die Weiterentwicklung der kirchlichen Medienarbeit […] Der Wandel der Mediennutzung und der Einfluss Künstlicher Intelligenz ist ein Themenschwerpunkt der Kommission“, so der Pressebericht. Sie soll in Zukunft mit ihren Medieninstitutionen und Einrichtungen dafür sorgen, dass christliche Blickwinkel sichtbar und in die öffentlichen Diskussionen eingebracht werden. Kommunikation über alle Medienformate hinweg und ein werteorientierter Journalismus sind dafür unerlässlich.

Vorsitzender ist Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg, der in der Nachfolge von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, als katholischer Medienbischof fungiert.

Förderung der Medienkompetenz

Medien sind ein zentraler Raum gesellschaftlicher Kommunikation und demokratischer Teilhabe, KI verstärkt diese Herausforderungen. Hier gestaltet Kirche bewusst Öffentlichkeit mit. Sie stärkt Medienvielfalt, Meinungsfreiheit und Teilhabemöglichkeiten.

Aufgabe der Kommission ist es daher, kirchliche und gesellschaftliche Medien- und KI-Kompetenz mit geeigneten Maßnahmen zu fördern und zu stärken. Gemeinsam mit ihren Einrichtungen und Organisationen ist sie kompetente Ansprechpartnerin in der gesellschaftlichen und kirchlichen Auseinandersetzung. So soll sie Menschen zu einem souveränen Umgang mit digitalen Technologien befähigen und in ihrem Menschsein bestärken.

Möchten Sie sich niedrigschwellig mit KI auseinandersetzen? Dann nutzen Sie das Selbstlernprogramm der KI-Challenge oder besuchen Sie die Online-Veranstaltungen der Reihe medienkompetenz CONNECTed.

medienkompetenz CONNECT im Katholischen Filmwerk GmbH (kfw) bietet im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) mit mekomat.de eine Sammlung an aktuellen medienpädagogischen Materialien an, sowie Informationen, Bildungsveranstaltungen und verschiedene Serviceleistungen, die der Medien-, Digital- und KI-Kompetenz inner- und außerhalb der Kirche dienen.