Offline-Modus für Kids: Social-Media-Verbot ist weiterhin umstritten

Offline-Modus für Kids: Social-Media-Verbot ist weiterhin umstritten

Offline-Modus für Kids: Social-Media-Verbot ist weiterhin umstritten
Foto: Bastian Riccardi – Pexels (CC0)

Für Kinder und Jugendliche gehört Social Media zum Alltag dazu wie das Pausenbrot. Doch die intensive Nutzung sozialer Medien birgt zahlreiche Risiken und sogar gesundheitliche Gefahren. Darauf berufen sich all jene, die sich für ein Verbot von sozialen Medien für Kinder und Jugendliche einsetzen. Nach den Debatten um Handys an Schulen, zeichnet sich nun auch hier ein großer gesellschaftlicher Umbruch ab. Einigkeit ist dabei vorerst nicht zu sehen, vielmehr gibt es rege Diskussionen in der Parteienlandschaft und in anderen Gremien.

Einige Monate ist es her, seit wir über die Auseinandersetzung um das Verbot von Smarttelefonen und Tablets in Schulen berichtet haben. Seitdem ist in einigen Bundesländern ein Verbot bereits in Kraft getreten. In Australien wurden soziale Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren unzugänglich gemacht. Letzteres hat auch hierzulande einen lebhaften Diskurs angestoßen.

Petition fordert Verbot – Parteien sind gespalten

Wenn es nach der deutschen Öffentlichkeit geht, dann sollte es definitiv ein Verbot geben. In einer Umfrage des ZDF Politbarometer sprachen sich 81 Prozent der Befragten dafür aus. Besonders die 18-34-Jährigen sähen Kinder und Jugendliche gerne zunehmend offline. Eine aktuelle Online-Petition mit 100.000 Unterzeichnern fordert die Bundesregierung dazu auf, ein Verbot einzuführen.

Die Parteien  nutzen die aktuelle Diskussion, um sich wahlwirksam zu positionieren. Denn schließlich  stehen Kommunalwahlen an und da lässt sich mit einem solchen Thema natürlich bestens auf Stimmenfang gehen. Die CSU überraschte durch eine deutliche Ablehnung eines Verbots. Ihre Schwesterpartei CDU hingegen hat auf ihrem Parteitag beschlossen, sich für ein Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren stark zu machen und auch die SPD-Bundestagsfraktion forderte im vergangenen Monat in einem Positionspapier nach Alter abgestufte Regelungen. Die Grünen befürworten Regeln als Beitrag zum Schutz der Kinder und Jugendlichen.

Befürworter sehen psychische Gesundheit ist gefährdet

Das stärkste Argument für Verfechter der Verbote sind vor allem psychische Belastungen der Heranwachsenden. Sie zitieren Studien, die die intensive Nutzung sozialer Medien mit Depressionen und Angstgefühlen in Verbindung bringen. Zum Schutz solle man nun also die Verbindung in die virtuelle Welt begrenzen. Als Vorbild wird Australien genannt, das im vergangenen Jahr als erstes Land weltweit ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige umgesetzt hat. Zurzeit gibt es neben den Ansätzen hierzulande dementsprechende Gesetzesentwürfe in Dänemark, Frankreich, Spanien und Großbritannien.

Australien: Positive Ergebnisse des Verbots  sind marginal

Wie sieht es nun tatsächlich aus in Down Under? Was hat sich dort getan? Wenn man seriösen Quellen glauben darf, nicht wirklich allzu viel Effektives. Zwar wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes mehr als 4,7 Millionen Konten deaktiviert oder gelöscht, Kinder und Jugendliche hätten aber dennoch Wege gefunden, das Verbot zu umgehen. Außerdem kritisieren Bürgerrechtler, dass nun deutlich unreguliertere Plattformen regen Zulauf erhielten.

Dies führen all jene an, die in einem Verbot keine wirklich zielführende Lösung sehen. Und auch zahlreiche andere Argumente richten sich gegen ein flächendeckendes Verbot.  So ist es für viele klar, dass durch ein Verbot das Anrecht der Kinder und Jugendlichen auf Information eingeschränkt wird. Die Bundesschülerkonferenz beispielsweise befürchtet dann auch einen Verlust politischer Information, den auch klassische Medien nicht ausgleichen könnten.

Offline-Modus für Kids: Social-Media-Verbot ist weiterhin umstritten
Foto: Pixabay – Pexels (CC0)

Gemeinsame Verantwortung statt pauschaler Verbote

Darüber hinaus bedeutet eine Beschränkung des Internetzugangs, dass man Kinder und Jugendliche im Stich lässt. Durch Verbote geraten sie in die Rolle, etwas Unerlaubtes zu tun. Dies führt dazu, dass sie sich verschließen und so keine vertrauensvollen Ansprechpartner:innen für Anliegen und Fragen rund um das Thema Medien mehr haben. Die eindeutig bessere Lösung ist die Regulierung der Plattformen und eine Medienpolitik die Eltern und Lehrkräfte stärkt und zugleich die großen Konzerne selbst in die Verantwortung nimmt. Nur wenn soziale Medien klaren Regeln unterliegen, kann Medienkompetenz wirksam vermittelt werden.

Es gilt, verlässliche Strukturen zu schaffen, die es der Medienpädagogik ermöglichen, effizient und lösungsorientiert zu arbeiten. Dazu gehört selbstverständlich auch eine angemessene finanzielle Förderung. Diese Ausgaben sind mehr als bloße Kosten, sondern Investitionen in die Zukunft unserer Kinder, Investitionen, die langfristig Früchte tragen werden.

Medienkompetenz im Fokus

Medienkompetenz, also die Fähigkeit kritisch und souverän mit Medien umzugehen, das soll Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden. Ist das aber überhaupt realistisch, wenn der Zugang zu sozialen Medien gekappt wird? Nicht wirklich. Medienpädagogische Fachkräfte und institutionelle Bildungseinrichtungen richten sich bewusst gegen ein Verbot und plädieren anstelle dessen für eine altersgerechte Regulierung, transparente Plattformstrukturen und eine systematische Förderung von Medienkompetenz. Dafür sind sie aber selbst gefordert, gemeinsam anzusetzen und sich zu vernetzen.

Die Medienpädagogik kann wirklich Wichtiges leisten, wie beispielsweise die Prävention von Cybermobbing, Aufklärung über Algorithmen und Desinformation, Stärkung von Selbstregulation und Reflexionsfähigkeit. Darüber hinaus kann sie Kinder und Jugendliche für die Themen Datenschutz und Privatsphäre sensibilisieren. Insgesamt fördert man mit solchen Maßnahmen eine kreative Mediennutzung die weit entfernt ist von reiner Konsumhaltung. Denn Medien in all ihren Formen sind ja nicht nur mit negativen Konnotationen behaftet, sondern haben einen wichtigen Mehrwert, der essentiell für Informationsbeschaffung, Meinungsbildung, soziale Interaktionen und die Entstehung unterschiedlicher kultureller Räume ist.

Diskurs ist weiterhin unabdingbar

Trotz der Kakophonie an Meinungen, die derzeit überall zum Thema kursieren, ist die aktuelle Diskussion durchaus positiv zu bewerten. Denn eine breite Auseinandersetzung mit Sozialen Medien jedweder Art ist dringend notwendig, je mehr sich unsere Welt digitalisiert. Für die Erlangung von Medienkompetenz ist sie unabdingbar. Niemand will dabei, dass Kinder und Jugendliche auf der Strecke bleiben, aber der Schutz unserer Jüngsten muss im Vordergrund stehen. Solange der Diskurs nicht ausschließlich polarisiert und sich die alle Beteiligten zusammentun, kann er nur förderlich sein. Die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema wird wohl weiterhin spannend bleiben und ist zu befürworten, solange sie nicht auf Kosten der nächsten Generation geht.