LEARNTEC 2026

LEARNTEC 2026

LEARNTEC 2026
© Messe Karlsruhe/neverdaless

Auf der LEARNTEC 2026 in Karlsruhe (5.–7. Mai) war spürbar: Digitale Bildung wird weniger über einzelne Tools diskutiert, sondern über ganze Lernökosysteme – vom Stundenentwurf bis zur Schulentwicklung. Im Mittelpunkt standen KI-gestützte Assistenzsysteme, die Lehrkräfte beim Erstellen von Materialien, bei Feedbackprozessen und bei der Differenzierung unterstützen sollen.

Vom Messestand in den Schulalltag

Auffällig war bei einer der größten Messeveranstaltungen zu digitaler Bildung (11.000 Besuchende) der Trend weg von „KI als Gimmick“ hin zu Fragen der Umsetzbarkeit: Datenschutz, Transparenz von Quellen, Qualitätskriterien für Prompts und klare schulische Regeln für Nutzung und Leistungsbewertung. In die richtige Richtung weist es zum Beispiel, wenn Lehrkräfte sich bemühen, ihre Lernenden in ergebnisoffenen und transparenten Unterrichtsszenarien zu befähigen, KI als  wirksame Werkzeuge einzusetzen, statt zuzulassen, dass KI ihnen die Arbeit eigenständigen Denkens einfach abnimmt. Die Lehrkräfte werden im Moment noch ihre eigenen Erfahrungen mit dem „Prompten“ zugrunde legen, um Lernenden ihrer Klassen dabei zur Seite stehen zu können.

Einen zweiten Schwerpunkt bildeten adaptive Lernsysteme und Learning Analytics: Anbieter versprechen präzisere Diagnostik und passgenauere Übungswege – Lehrkräfte fragen zunehmend nach nachvollziehbaren Messgrößen statt Blackbox-Scores. An sich nicht neue „Serious-Games“-Angebote (z.B. zu seelischer Gesundheit oder jüngerer deutscher Geschichte) verhießen für schulische Zielgruppen mehr Möglichkeiten emotional anzudocken, dürften aber hinter dem Anspruch jugendlicher Mediennutzungsgewohnheiten leider immer noch eher zurückbleiben (Look, Funktionalitäten). Viele Gespräche kreisten um Nachhaltigkeit und Skalierung in Erwartung weiterer Förderlinien (Stichwort DigitalPakt 2.0) – also: Wartung, Fortbildung, Medienentwicklungsplanung und schulartübergreifende Konzepte.

Bildungshoheit trifft Bildungsmarkt

Wenn sich dabei ein Bundesland wie Baden-Württemberg durch Einkauf einer einzigen Systemlösung (telli) entschieden hat, bleibt allerdings ein Rätsel, was angesichts eines staatlich dominierten Bildungsmarktes ein Dschungel an Produkten unterschiedlichster kommerzieller Akteure für das mit Abstand „größte Tortenstück“ Pflichtschulbereich bringen soll. Sehr bald werden sich alle Bundesländer für eine KI-Assistenz entschieden haben, und deren jeweilige Lehrkräfte wie Lernende werden sich dann ausschließlich darauf beziehen müssen – das wird wohl zu einer größeren „Flurbereinigung“ im Markt führen. Der Abwärtstrend nicht nur bei der Anzahl der Aussteller zeigt wohl auch in diese Richtung: letztes Jahr waren es noch 13.000 Besuchende, 2024 14.000.

Unterm Strich zeigt die LEARNTEC 2026: Entscheidend ist nicht die nächste App, sondern ein didaktisch ganzheitliches Zusammenspiel aus Infrastruktur, Qualifizierung und verantwortungsvollem KI-Einsatz. Und darin werden sich die Bundesländer ihre Bildungshoheit nicht nehmen lassen.

Bilanzbericht des Veranstalters: www.learntec.de/2026

Zum Vergleich Bilanzbericht des Veranstalters aus dem Vorjahr: www.learntec.de/2025