Wenn Alexa zur besten Freundin wird: Kinderrechte in der Welt der Künstlichen Intelligenz

Wenn Alexa zur besten Freundin wird: Kinderrechte in der Welt der Künstlichen Intelligenz

Sprachassistenten, Tablets, Lern-Apps: Künstliche Intelligenz gehört für viele Kinder längst zum Alltag – oft bevor sie lesen und schreiben können. Das Projekt „KIKI – KI-Anwendungen im Einklang mit Kinderrechten“ begleitet Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte dabei, der neuen Technik mit Neugier, aber auch einem gesunden Maß an kritischem Bewusstsein zu begegnen.

Wenn Alexa zur besten Freundin wird: Kinderrechte in der Welt der Künstlichen Intelligenz
Foto: Anete Lusina – Pexels (CC0)

„Alexa, bist du meine Freundin?“

Der Vierjährige richtet seine ersten Worte am Morgen ans Küchenregal und wünscht sich von der kleinen weißen Box, die dort steht, sein Lieblingslied. Abends erzählt die Sechsjährige dem Sprachassistenten, dass sie Angst vor dem Dunkeln hat. Für beide ist die Lern-App in der Kita allwissend und kann eigentlich zu allen Themen von Belang etwas Gutes sagen.

Die Kindheit von heute ist ganz wesentlich eine Medienkindheit. Zahlen belegen das eindrucksvoll: In Deutschland wachsen bereits 41 Prozent der 2- bis 5-Jährigen in Haushalten mit Sprachassistenten auf, 21 Prozent besitzen ein eigenes Tablet, 10 Prozent sogar ein Smartphone. Immer wieder nutzen Kinder diese Geräte unbegleitet, ohne die Funktionsweise der Systeme zu verstehen oder mögliche Risiken einschätzen zu können. Dabei haben sie oft auch Zugriff auf KI-Systeme, die sich per Sprachbefehl steuern lassen und damit auch ohne Lese- und Schreibkompetenzen bedient werden können.

Studien zeigen: Ein großer Teil der Kinder vermenschlicht Künstliche Intelligenz. Sie halten Sprachassistenten und Chatbots für Wesen mit Gefühlen, vertrauen ihnen Geheimnisse an und schenken ihnen großes Vertrauen; lange bevor sie verstehen können, dass dahinter ein technisches System steht, das mit jeder Frage lernt und Daten sammelt.

Kinderrechte gelten auch digital

Der UN-Kinderrechtsausschuss hat 2021 mit dem General Comment Nr. 25 klargestellt, dass die Rechte aus der UN-Kinderrechtskonvention ohne Einschränkung auch in der digitalen Welt gelten. Kinder haben demnach ein Recht auf Schutz vor schädlichen Inhalten und umfangreicher Datensammlung, aber auch auf altersgerechte Information und Befähigung und darauf, selbst mitzubestimmen, wie sie digitale Technologien nutzen.

Doch zwischen Rechtsprinzip und Kinderzimmer tut sich oft noch eine große Lücke auf: Wann und wo sollen Sechsjährige überhaupt erlernen, eine KI-Antwort kritisch zu hinterfragen? Und welche Rolle spielen Eltern und pädagogische Fachkräfte, die sich selbst oft unsicher fühlen, wenn es um Künstliche Intelligenz geht? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des hier vorgestellten KIKI-Projektes.

Wenn Alexa zur besten Freundin wird: Kinderrechte in der Welt der Künstlichen Intelligenz
© 2026 KIKI-Forschungsprojekt

Das Projekt KIKI: drei Kernbotschaften für Kinder

„KIKI – KI-Anwendungen im Einklang mit Kinderrechten“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Verbundprojekt. Es vernetzt Forschungseinrichtungen der Universitäten Duisburg-Essen, Tübingen und Bamberg mit Partnern aus der Bildungspraxis. Interdisziplinär bringt das Projekt technische, ethische und pädagogische Perspektiven zusammen und entwickelt auf dieser Basis ein eigenes Konzept des digitalen Wohlergehens von Vorschulkindern.

Ziel ist es, Kinder im Vorschulalter, Eltern und pädagogische Fachkräfte in einem verantwortungsvollen Umgang mit KI zu bestärken. Drei Kernbotschaften sollen Kinder dabei spielerisch verstehen lernen:

1. Die KI ist kein Mensch. Sprachassistenten und Chatbots klingen zwar menschlich, aber sie haben kein Bewusstsein und keine Gefühle. Kinder lernen im Projekt, die rein technische Natur dieser Systeme zu durchschauen. Das schützt vor einer unkritischen Vermenschlichung und blindem Vertrauen.

2. Die KI macht Fehler. KI-Systeme arbeiten mit statistischen Wahrscheinlichkeiten und können ungenaue oder voreingenommene Ergebnisse liefern. Kinder lernen im Projekt Strategien kennen, um KI-Antworten zu hinterfragen und die Verlässlichkeit digitaler Informationen besser einzuschätzen.

3. Die KI sammelt Daten. Jede Interaktion hinterlässt digitale Spuren. Kinder werden dafür sensibilisiert, dass ihre Fragen, Bilder und Suchbegriffe Daten sind und dass die eigene Privatsphäre schützenswert ist.

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© 2026 KIKI-Forschungsprojekt

Mit Holzbausteinen zum Algorithmus

Aber wie erklärt man einem Vierjährigen eigentlich, was ein Algorithmus ist? Das KIKI-Projekt setzt auf ein partizipatives Vorgehen: Kinder sind nicht nur Zielgruppe des Projekts, sondern dessen Mitgestalter. Sie werden in die Forschung und die Entwicklung der Bildungsmaterialien einbezogen. Mit Holzbausteinen, Bildkarten und haptischen Spielen, aber auch mit digitalen Anwendungen lernen sie abstrakte Konzepte wie Algorithmen oder maschinelles Lernen ganz praktisch kennen. KI wird für sie so auf eine Weise begreifbar, in der sie die Welt ohnehin kennenlernen: anfassend, ausprobierend, spielerisch.

Auch die Perspektiven der Erwachsenen spielen im Projekt eine Rolle. Es wird erforscht, wie Kinder KI-Systeme wahrnehmen, aber auch welche Einstellungen und Strategien Eltern und Erzieher:innen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz entwickelt haben. Ihr eigener Umgang mit KI prägt schließlich, wie sie Kinder in der Mediennutzung begleiten können und wollen.

Für den Transfer in die Praxis arbeitet KIKI mit erfahrenen Partnern zusammen: Die Caritas im Rhein-Kreis Neuss öffnet die Türen zu Kitas und vermittelt den Kontakt zu Eltern und pädagogischen Fachkräften. Das Medienkompetenzzentrum im Katholisch-Sozialen Institut in Siegburg übersetzt die Forschungsergebnisse in Fortbildungsformate, Bildungsmaterialien und Podcasts. Die erprobten Praxismaterialien und Workshops fließen anschließend unter anderem in das Fortbildungsangebot des CaritasCampus ein – so bleibt das Projekt nachhaltig wirksam, weit über die Projektlaufzeit hinaus.

Der KI eine kindgerechte Zukunft geben

Das KIKI-Projekt will zeigen, dass Kinderrechte und technologische Innovation kein Widerspruch sein müssen. Vielmehr kann ein kinderrechtlich fundierter Ansatz die verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung von KI-Systemen leiten. Transparenz und Datenschutz sind dafür ebenso entscheidend wie grundlegende Medienkompetenzen und die frühzeitige Beteiligung von Kindern an der Gestaltung ihrer digitalen Umwelt. Von einem solchen Ansatz profitieren Kinder genauso wie die Gesellschaft als Ganzes. Denn wer heute lernt, KI zu verstehen und zu hinterfragen, wird morgen als mündige Bürgerin oder mündiger Bürger das digitale Zeitalter mitgestalten.

Während das Projekt KIKI wissenschaftliche Erkenntnisse, ethische Leitlinien und konkrete pädagogische Ansätze für den Elementarbereich entwickelt, verfolgt die Initiative KI kindgerecht!, getragen vom Bereich Kirche und Gesellschaft im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Verein Seitenstark, einen breiten gesellschaftlichen Ansatz. Sie will ein Verantwortungsnetzwerk aufbauen, Qualitätsstandards für kindgerechte KI entwickeln und auf verbindliche Rahmenbedingungen für deren Einsatz hinwirken. Beide Vorhaben eint ein kinderrechtlicher Ansatz. Sie setzen sich dafür ein, Kinder zu stärken und ihnen eine sichere, selbstbestimmte und kompetente Teilhabe in einer von KI geprägten Lebenswelt zu ermöglichen.